Liebe ist stärker als der Tod – als Neuauflage und e-Book

Liebe ist stärker als der Tod - Roman von Heinz G. KonsalikPierre rettet Eva in letzter Sekunde das Leben. In ihrer großen Verzweiflung wollte sie sich vom Arc de Triomphe in die Tiefe stürzen. Weil Eva niemanden mehr hat, an den sie sich wenden kann, nimmt Pierre sie mit in seine Mansarde hoch über den Dächern von Paris. So beginnt eine wunderbare und romantische Liebe, aber Eva hütet ein bitteres Geheimnis.

Dazu das Nachwort von Dagmar Konsalik

Zu Lebzeiten meines Vaters war die meistgestellte Frage an mich: „Wie lebt man als Tochter eines Bestsellerautors? Wie ist das Zuhause?“

Na, ganz normal: Mit Vater, Mutter und zwei Kindern. Allerdings ging unser Vater morgens nicht zur Arbeit aus dem Haus sondern bloß ein paar Schritte durch den Garten in seine „Schreibstube“. Dort blieb er bis zum Abend mit einer kurzen Unterbrechung zum gemeinsamen Mittagessen. Kein Wunder, dass der unvergessliche Satz unserer Kindheit war: „Ruhe! Papa schreibt!“

Ungewöhnlich wirkte das alles nur auf andere. Ich war das einzige Mädchen, das nicht von der Mutter, sondern sehr oft vom Vater von der Schule abgeholt wurde. Meinen Schulfreundinnen erklärte ich auf ihre dauernde und mir peinliche Fragerei, ob mein Vater denn arbeitslos wäre, dass die Arbeit meines Vaters Schreiben sei. Daraufhin meinten sie einhellig, das sei doch keine Arbeit – was mich zum ersten Mal stutzen ließ. War wirklich alles so normal in unserer Familie? Schließlich „lebte“ mein Vater, wenn er in seine Arbeit vertieft war, morgens in Russland. Und wir sagten: „Zieh’ dich warm an!“ Oder wir gaben ihm nach dem gemeinsamen Mittagessen, wenn er in die Südsee aufbrach, den Rat: „Vergiss die Badehose nicht!“

Eins wusste ich jedoch damals schon mit Sicherheit: Mein Vater war sehr fleißig. Teilweise hat er zwei Romane gleichzeitig auf seiner alten Olympia Schreibmaschine geschrieben, die er bis zum Schluss niemals gegen einen Computer eingetauscht hätte. Und 161 Romane, die in 46 Sprachen übersetzt wurden, sind ein Lebenswerk, das man nicht mal so aus dem Ärmel schüttelt.

Mit zwölf Jahren habe ich angefangen, seine Romane zu lesen. Von dieser Zeit an durfte ich auch schon mal ein Schlückchen mittrinken, wenn mein Vater – wie immer nach Vollendung eines neuen Werks – eine Flasche Roederer Kristall öffnete. Das Talent, Romane schreiben, hat er mir leider nicht vererbt. Bei der Lektüre meiner Schulaufsätze hat sich mein Vater jedes Mal die Haare gerauft. Aus seiner Sicht war leider so gar nichts von der väterlichen Kreativität bei mir hängen geblieben. Das legte sich erst, als ich später Redakteurin wurde und schließlich sogar eine seiner Verlegerinnen. Aber bis dahin war es ein langer, harter Weg.

Bei uns herrschte das Patriarchat: Vater ist der Boss und dem haben sich alle unterzuordnen. Dabei war ich überbehütet – der Kosename „Babychen“ sagt schon alles. Ich war die Kleine, die vor allem Angst hatte. Kein Wunder, dass mir niemand etwas zutraute. Erst nach dem Abitur kam der erste „Mutanfall“: Ich wollte wie so viele andere mit dem Zug ins Ausland. Genauer: Nach Nizza, um dort französisch zu lernen. Gesagt, getan!

Ich lebte dort überglücklich in einer armseligen Studentenbude. Hauptsache, Freiheit schnuppern! Als mich in meinem neuen Heim vier abenteuerlich aussehende, bärtige Schulfreunde besuchten, die seit Wochen per „Interrail“ (die Vorstufe des heutigen Backpackings) quer durch Europa reisten, ließ ich mein Studium kurzfristig ruhen. Als Pferdenärrin musste ich einfach mit den Jungs in die Camargue. Bis uns allen das Geld ausging. Zurück in Nizza verschafften wir uns Bares auf unsere Art: Die Jungs spielten Gitarre und sangen. Ich ging mit dem Hut auf der Avenue des Anglais herum und sammelte Geld von den Touristen ein. Bis ich mit dem schwarzen Schlapphut in der Hand vor einem gut gekleideten Paar stand – meinen Eltern.

Die beiden hatten zwar angekündigt, dass „Papa auf Recherchereise nach Paris und Südfrankreich“ müsse, aber das hatte ich wohl schlichtweg verdrängt. Meine Mutter fiel angesichts der Almosen sammelnden Tochter fast in Ohnmacht, mein Vater dagegen lachte sich halb tot. Das Ende vom Lied: Die Jungs mussten sich die Bärte abrasieren und einigermaßen zivil kleiden. Dafür durften wir auf der Terrasse des Negresco (damals und heute eines der vornehmsten Hotel an der Cote d‘Azur) mit meinen Eltern speisen. Wir schwärmten dabei so sehr von der Camargue, dass mein Vater augenblicklich seine Pläne änderte. Er verlegte seine Romanrecherche zunächst dorthin und erst dann nach Paris. Aus dieser Reise entstand einer meiner Lieblingsromane (zu dem ich also indirekt auch beigetragen habe): Liebe ist stärker als der Tod. Eine Liebesgeschichte, die genauso ungewöhnlich ist wie ihr Ausgang. Dramatisch, leidenschaftlich, zärtlich – die ganz großen Gefühle, heute genauso romantisch wie damals.

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